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Antibiotika-Resistenz

Probleme & Lösungen

Probleme

Wir stehen vor der Gefahr einer post-antibiotischen Ära. Der überdimensionale und systemisch falsche Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin bedroht unsere Gesundheitsversorgung. Je mehr Antibiotika in die Umwelt gelangen, umso schneller entwickeln Bakterien Resistenzen. Harmlose Krankheiten können dann nicht mehr behandelt werden oder gar tödlich verlaufen, weil es kein Antibiotikum mehr gibt, das gegen die resistenten Bakterien wirkt. Das Entstehen und die Verbreitung multiresistenter Keime, sowie die dadurch zunehmend eingeschränkte Wirkung von Antibiotika in der Krankheitsbekämpfung stellen die Gesundheitspolitik vor neue Herausforderungen. Auch die Wirksamkeit der Reserveantibiotika scheint durch den verbreiteten Einsatz bereits zu schwinden. Neue Antibiotika werden nur schleppend entwickelt. Laut EU-Behörden sterben jährlich bereits 25.000 Menschen an -den Folgen von Antibiotika-Resistenzen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, da es noch kein standardisiertes Meldesystem gibt.

  • Was läuft schief?

    Der überdimensionale und systemisch falsche Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin gefährdet unsere Gesundheitsversorgung.

    • Humanmedizin
      Antibiotika werden einerseits zu oft verschrieben, sogar wenn keine bakterielle Infektion vorliegt (z.B. virale Halsentzündung, Grippe). Andererseits werden Antibiotika auch häufig nicht korrekt eingenommen (die Dosis wird verringert, die Einnahme erfolgt ohne Verschreibung, etc.)
    • Intensivtierhaltung Die Haltungsbedingungen in der Intensivtierhaltungerfordern einen massiven Antibiotika-Einsatz auch für gesunde Tiere: Stress durch Enge und fehlende Bedürfnisbefriedigung, zu hohe Tierdichten, Spaltenböden, zu frühes Wegreißen der Jungtiere von der Mutter etc.Da es in der Intensivtierhaltung kaum möglich ist, ein einzelnes krankes Tier zu identifizieren, werden dem gesamten Bestand vorsorglich Antibiotika verabreicht (Metaphylaxe).
    „Es werden mehr Antibiotika an gesunde Tiere verabreicht als an kranke Menschen.“ (WHO)

    In Österreich werden pro Jahr 45 Tonnen Antibiotika in der Humanmedizin und 55 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung ausgegeben. In der gesamten EU fällt die Verteilung noch deutlicher aus: 3.400 Tonnen Antibiotika in der Humanmedizin und 7.982 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung.

  • Wer ist gefährdet?

    Wir alle sind von den Gefahren, die von multiresistenten Bakterien ausgehen betroffen, denn wir alle brauchen wirksame Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen.

    Die Übertragung multiresistenter Bakterien findet statt durch:

    • Krankenhausaufenthalte: Durch die hohe Konzentration an kranken Menschen und an Antibiotika werden in Spitälern besonders oft multiresistente Keime gefunden bzw. übertragen. Personen mit schwachem Immunsystem oder Infektionen sind besonders gefährdet, da ihre Körper mit dem resistenten Keim nicht umgehen können. Infolge können einfache Krankheiten zu wochenlanger Behandlungsdauer und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.
    • den Kontakt mit infizierten Personen: Jede/r kann multiresistente Keime in sich tragen und diese an andere Personen weiter geben. Dies führt nicht zwangsläufig zum Ausbruch einer Infektion.
    • den Kontakt mit infizierten Tieren: Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika in der konventionellen Landwirtschaft begünstigt die Ausbreitung multiresistenter Keime massiv. In den Ställen besiedeln diese Keime nicht nur die Tiere, sondern auch Menschen, die mit den Tieren in Berührung kommen.
    • Nähe zu einem Betrieb mit Intensivtierhaltung: Durch die Ausscheidungen der Tiere gelangen multiresistente Keime auch in das Grundwasser, in Böden und in die Luft. Dies sollten besonders AnrainerInnen von Intensivtierhaltungsanlagen beachten.
    • den Kontakt mit kontaminiertem rohen Fleisch: Erst das Erhitzen des Fleisches tötet multiresistente Keime ab.
    • den Kontakt mit Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft: Durch die Verwendung der Gülle infizierter Tiere zum Düngen der Felder können multiresistente Keime auch auf unser Gemüse gelangen.

    Besonders gefährdete Personengruppen: Spitalsangestellte, LandwirtInnen und ihre Angestellten, TierärztInnen, Schlachthauspersonal, AnrainerInnen von Intensivtierhaltungsanlagen.

Lösungen

Unsere Vision

Unsere Vision ist eine ökologische: Wir haben eine biologische Fleischproduktion und Landwirtschaft ohne Tierleid und ohne flächendeckenden Einsatz von Tierarzneimitteln vor Augen.

In Betrieben mit tiergerechter Haltung werden Antibiotika nur gezielt eingesetzt. Es ist gesetzlich geregelt, dass bei der ökologischen (Bio-)Haltung höchstens zweimal im Jahr mit Antibiotika behandelt werden darf (wenn die Tiere nur ein Jahr leben, ist nur eine Behandlung zulässig). Wenn die Tiere öfter krank werden und mit Antibiotika behandelt werden müssen, dann dürfen die Produkte nicht als Bioprodukte verkauft werden. Bei Stichproben wurden in 92 % der konventionellen Schweinemastanlagen MRSA festgestellt. In der ökologischen Haltung waren es hingegen nur 26 %. Die ökologische Landwirtschaft ermöglicht den Tieren ein tiergerechteres Leben und trägt dazu bei, uns Menschen vor der rasanten Ausbreitung multiresistenter Keime zu schützen.

Unsere Chance

Innerhalb der EU wird aktuell ein Tierarzneimittel-Verordnungspaket (TAM-Paket) diskutiert, das den Einsatz von Antibiotika drastisch reduzieren soll. Der Agrar- und der Umweltausschuss des EU-Parlamentes verhandeln bereits dazu. Die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der konventionellen Tierhaltung wäre ein großer Beitrag im Kampf gegen die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen. Ergreifen wir die Chance!

Unsere Forderungen an die EU-Abgeordneten lauten:

  1. Antibiotika gezielt nur zur Behandlung kranker Tiere einsetzen
  2. Kein Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung
  3. Kein Handel mit Tierarzneimitteln über das Internet
  4. Schlupflöcher schließen und Anreize vermindern

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